Kastration der Hündin

Die Kastration der Hündin und ihre Vor- und Nachteile

Jeder Tierhalter sollte für sich und sein Tier die Risiken und Vorteile der Kastration genau abwägen, bevor er eine Entscheidung trifft. Die folgenden Informationen können Ihnen dabei behilflich sein.

Was ist eine Kastration?

Bei der Kastration des Hundes werden seine Keimdrüsen bzw. Gonaden entfernt. Dabei handelt es sich bei der Hündin um die Eierstöcke und beim Rüden um die Hoden. Nach dem Eingriff verändert sich beim Rüden sein typisches Verhalten und bei der Hündin bleibt die Läufigkeit aus. In beiden Fällen kommt es zu einer Besserung bzw. dem Ausbleiben hormonbedingter Erkrankungen. Die Fortpflanzung ist nicht mehr möglich.

Was ist eine Sterilisation?

Bei der Sterilisation wird mit der Durchtrennung der Ei- bzw. Samenleiter eine Unfruchtbarkeit herbeigeführt. Da die Gonaden nicht entfernt werden, bleibt die Hormonproduktion und das damit verbundene typische Verhalten erhalten. In der Tiermedizin spielt diese Operation keine Rolle.

Der Zyklus der Hündin

Je nach Hunderasse wird eine Hündin üblicherweise in dem Alter von 6 – 9 Monaten das erste Mal läufig. Dabei kommt es nach dem Heranreifen von Follikeln auf dem Eierstock zu der Bildung von dem Hormon Östrogen. Infolgedessen zeigen sich typische Läufigkeitssymptome wie Schwellung der äußeren Scham, blutiger Ausfluss und Attraktivität für Rüden. Im Anschluss an diese ca. zehntägige Phase erfolgen die Ovulation und die eigentliche Deckbereitschaft. Nach dem Eisprung bilden sich die Follikel zu Gelbkörpern um, die unabhängig von einer erfolgten Bedeckung das Gelbkörperhormon produzieren und zu Scheinträchtigkeit führen können.

Eine Hündin wird normalerweise zweimal im Jahr läufig, ab dem Alter von 7 Jahren meist nur noch einmal im Jahr. Eine Menopause gibt es nicht, d.h. die Hündin ist bis ins hohe Alter hormonell aktiv.

Vorteile der Kastration

Keine Entzündung der Gebärmutter

Da die Eierstöcke und (je nach Operationstechnik) die Gebärmutter dem Körper entnommen werden, können diese Organe infolgedessen nicht mehr erkranken oder tumorös entarten. Die gefürchtete Entzündung der Gebärmutter, Pyometra genannt, kann bei kastrierten Hündinnen nicht mehr vorkommen, da die im Eierstock gebildeten Hormone fehlen. Ebenso fallen Läufigkeit und Scheinträchtigkeit weg.

Niedriges Risiko für Tumoren des Gesäuges

Als Gesundheitsprophylaxe in Zusammenhang mit der Kastration wird insbesondere der präventive Effekt auf die Entwicklung von Tumoren des Gesäuges (Mammatumoren) genannt. Dabei besteht eine Abhängigkeit von dem Lebensalter der Hündin zum Zeitpunkt der Kastration. Wird sie vor der ersten Läufigkeit kastriert, ist ihr Risiko, später an Gesäugetumoren zu erkranken, so gut wie null. Mit jeder weiteren Läufigkeit steigt das Risiko für die Hündin. Ich rate daher meist zu einem Eingriff vor der ersten bzw. zweiten Hitze.

Tumoren des Gesäuges sind in vielen Fällen bösartig und neigen dazu, sowohl in anderen Organe, wie z.B. die Lunge oder die Leber, zu streuen. Ist erst ein Komplex des Gesäuges betroffen, kommt es im weiteren Verlauf zu einer weiteren Ausbreitung in der Milchleiste, so dass meist auch umliegende Gesäugekomplexe oder die ganze Milchleiste entfernt werden muss. Dies ist eine große, schmerzhafte Operation, die insbesondere für ältere Tiere eine große Belastung ist.

 

Nachteile der Kastration

Blasenschwäche

Die größte Beeinträchtigung für die Hündin ist das Risiko, mehrere Jahre nach der Kastration an einer Blasenschwäche, der sogenannten Harninkontinenz, zu erkranken. Die Häufigkeit wird in der Fachliteratur mit ca. 10 % angegeben, je nach Größe und Rasse des Hundes. Größere Hunde und im speziellen Boxer, Dobermänner und Rottweiler sollen hierfür eine Rassendisposition aufweisen. Die Inkontinenz wird durch den Wegfall der weiblichen Hormone erklärt und lässt sich durch verschiedene Medikamente gut behandeln.

Verhaltensweise

Immer wieder wird diskutiert, dass die frühe Kastration das Verhalten der Hündin beeinflusst. Demnach soll sie kindlich und verspielt bleiben und nicht erwachsen werden. Aus diesen Gründen kann es sinnvoll sein, die Kastration nach der ersten und vor der zweiten Läufigkeit durchzuführen, damit die soziale Ausreifung der Hündin positiv beeinflusst wird. Demgegenüber steht jedoch das vergleichsweise etwas höhere Risiko, an Mammatumoren zu erkranken, wenn die Operation später durchgeführt wird.

Bei Rassen mit langem, seidigem Fell, wie z.B. Langhaardackel, Irish Setter und Cocker Spaniel, kann es nach Kastration zu Fellveränderungen kommen und es entsteht ein sogenanntes Welpenfell. In seltenen Fällen tritt bei kurzhaarigen Rassen eine Haarlosigkeit in den Flanken auf.

Gewichtszunahme ?

Nach der Kastration ist es wichtig, dass die Hündin trotz teilweise vermehrten Appetits nicht mehr, sondern eher weniger zu fressen bekommt. Es wird diskutiert, dass es in Folge der Hormonumstellung zu einer niedrigeren Stoffwechselrate mit einem geringeren Energieverbrauch kommt. In jedem Fall sollte die Futtermittelration entsprechend der Aktivität des Hundes berechnet werden. Dann wird die kastrierte Hündin weder dick noch träge.

Operationsrisiko

Die Kastration der Hündin ist eine Operation, bei der die Bauchhöhle eröffnet werden muss. Im Vergleich zu der Kastration des Rüden ist der Eingriff daher größer und mit einem höheren Operations-Risiko behaftet. Nichtdestotrotz ist die Kastration der Hündin ein Routine-Eingriff, der bei neuester Operations- und Narkose-Technik ein sehr geringes Risiko für Zwischenfälle beinhaltet.

Alternativen

Als Alternativen zur Kastration können die Hündinnen mit Hormonen behandelt werden. Hierbei muss der Applikationszeitpunkt genau gewählt werden, um durch die Gestagen-Gabe keine Gebärmutterentzündung zu provozieren. Wegen der vorhandenen Risiken wird diese Option selten gewählt.

Ich berate Sie gerne persönlich und individuell über diese Thematik.