Fütterungsempfehlungen bei Magen-Darm-Erkrankungen

Krankheitsursachen für Magen-Darm-Erkrankungen

Durchfall mit Blut- oder Schleimbeimengungen im Kot, Erbrechen, verminderter Appetit, Mattigkeit, Bauchschmerzen sowie häufiger Kotabsatz mit z.T. übermäßiger Anstrengung sind die häufigsten Anzeichen einer Magen-Darm-Erkrankung.

Die Ursachen sind vielfältig, angefangen beim nervösen, durch Aufregung hervorgerufenen Durchfall über die parasitäre Besiedlung des Darms bis hin zum diätetisch bedingten akuten Durchfall. Dabei werden mit der Nahrung zu viele osmotisch aktive, wasserbindende Substanzen aufgenommen, z.B. bei abruptem Futterwechsel, zu fettreichem oder zu kaltem Futter, zu vielen Kohlehydraten in der Ration bzw. bei einer zu großen Futtermenge. Auch verdorbene Futtermittel, verschmutztes Wasser aus Pfützen, Teichen, Badeseen oder Insektizide, wie z.B. an jungen Getreidehalmen oder gespritztem Gräsern, können zu einer erhöhten Sekretion der Darmdrüsen und verminderten Resorption der Darmzotten führen. Das daraus resultierende Ungleichgewicht bewirkt eine erhöhte Flüssigkeitsabgabe in das Darmlumen und als Folge entstehen Durchfälle.

Akute infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen sind viel seltener als fütterungsbedingte Störungen und verlaufen in der Regel schwerer, gehen teilweise mit hohem Fieber einher und führen häufig zu einem reduzierten Allgemeinbefinden. Ursache sind bakterielle oder virale Infektionen (z.B. durch das Parvovirus), die Darmwand und Darmzotten schädigen oder sogar zerstören können. Dem Kot ist infolgedessen häufig Blut beigemengt.

Unter den chronischen Magen-Darm-Erkrankungen ist die IBD (Inflammatory bowel disease) am häufigsten. Einige Hunderassen, insbesondere diejenigen mit hellem Fell, wie z.B. Golden Retriever, beige Boxer, Jack Russel oder West Highland White Terrier haben eine Prädisposition zu diesen chronisch-wiederkehrenden Darmentzündungen. Sie werden u.a. durch Allergien gegen einige Bestandteile des Futters bzw. Futtermittelunverträglichkeiten ausgelöst und zeigen sich durch eine gestörte Magen-Darm-Flora mit Mikroorganismen-Fehlbesiedlung. Bakterielle und parasitäre Infektionen, zu denen auch die Giardien zu zählen sind, können die Symptome der IBD verstärken. Typisch für den Krankheitsverlauf sind die häufigen Rückfälle nach erfolgter symptomatischer Therapie und der Beginn der Magen-Darm-Störung schon in der Jugend des Hundes.

Weitere seltenere gastrointestinale Erkrankungen sind eine Malabsorption des Dünndarms, eine Entzündung des Dickdarms, die sog. Colitis, oder auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Therapie und Diät richten sich nach der zu Grunde liegenden Ursache und variieren teils erheblich in ihrer Zusammensetzung.

Fütterungsempfehlungen bei Magen-Darm-Infektionen

Bei der akuten Gastroenteritis bildet eine strikte Magen-Darm-Diät und eine ausreichende Flüssigkeitssubstitution mit Elektrolyten die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Ich empfehle eine kurze anfängliche Nahrungskarenz und anschließend die Verabreichung kleinerer Portionen einer fettarmen, qualitativ hochwertigen Diät mit hoch verdaulichen Proteinen, einem Zusatz von gut fermentierbaren Fasern und einem hohen Gehalt an B-Vitaminen. Ziel der Therapie ist die Verlängerung der Darmpassagezeit, die Erleichterung der Wasserresorption, die Wiederherstellung einer gesunden Magen-Darm-Flora und damit verbunden die Normalisierung der Kotkonsistenz.

Selbstgekochte Schonkost

Falls Sie selber eine Schonkost kochen möchten, bildet Reis mit Huhn, Magerquark oder Hüttenkäse die Basis für eine Diät. Das magere Hühnchenfleisch sollte in Wasser gedünstet werden und keinesfalls roh verfüttert werden. Die dabei entstehende ungewürzte Brühe kann dem Tier angeboten werden und eignet sich gut zur Substitution des Flüssigkeitverlustes durch den Durchfall. Gekochte Möhren bzw. etwas mit Schale geriebener Apfel haben sich als Futterzusatz bei Schonkost gleichsam bewährt. Bei Katzen, die grundsätzlich wählerischer sind, kann auch leicht verdaulicher Fisch angeboten werden. Die Portion sollte aus ca. 2/3 Reis (ersatzweise Kartoffeln, Kartoffelbrei oder Nudeln) und 1/3 Huhn (Fisch, Magerquark oder Hüttenkäse) bestehen. Um den Darm nicht zu überlasten, sollte die Diät mehrmals täglich in kleinen Portionen angeboten werden. Sollten die Durchfälle über einen längeren Zeitraum eine Magen-Darm-Diät erforderlich machen, empfehle ich den Wechsel auf ein beim Tierarzt erhältliches kommerzielles Futter, da es alle Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine in ausgewogener Mischung enthält.

Weitere Maßnahmen

Auf jeden Fall sollte vermieden werden, dass Ihr krankes Tier freien Zugang zu Wasserpfützen und anderen Nahrungsmitteln hat, die nicht Ihrer Kontrolle unterliegen. Katzen dürfen in der akuten Phase das Haus nicht verlassen. In manchen Fällen kann das Füttern von Futterergänzungsmitteln, die Adsorbentien enthalten, den Heilungsprozess unterstützen. Sie dienen als Schleimhautschutz zum „Abdichten“ der geschädigten Darmschleimhaut und nehmen gleichzeitig schädliche Abbauprodukte, Bakterien und Toxine auf. Oft enthalten diese speziell vom Tierarzt erhältlichen Präparate Glukose, die zusätzlich als Energielieferant dient und die Rückresorption von Wasser fördert. Gerne berate ich Sie, ob und welches Medikament bei Ihrem Tier angewendet werden sollte.