Silvester- und Geräuschangst

Silvester- oder Geräuschangst

Auslöser für Angstattacken beim Hund sind häufig Gewitter, Donner und Sturm, aber auch Silvesterknallerei in den Großstädten. Da sich die Angst meist graduell steigert und sich schrittweise über die Jahre steigert, bleibt manchen Tierbesitzern am Ende fast nichts anderes übrig, als mit ihrem ängstlichen Tier über Silvester aufs ruhige Land zu fahren. In Einzelfällen wird die Silvester- oder Geräuschangst aber auch durch ein einziges traumatisches Erlebnis ausgelöst, wie z.B. ein plötzlich explodierender Böller beim harmlosen Spaziergang.

Symptome

In manchen Fällen kann die Geräuschangst so extreme Ausmaße annehmen, dass sich das Tier bei dem Versuch, dem Geräusch zu entkommen, sogar verletzen kann. Ansonsten ähneln die Symptome denen bei der Trennungsangst, nur der Auslöser ist ein anderer. Folgende Anzeichen sind typisch:

Unruhe, Bellen, Jaulen, Winseln, Unsauberkeit, Erbrechen, Speicheln, Hecheln, Zittern, panischer Blick, Aggressionen und psychogene Anorexie.

Therapie

Nicht nur verhaltenstherapeutische Ansätze, sondern auch verschiedene Medikamente stehen uns mittlerweile zur Verfügung, um die Angst bei Ihrem Hund zu lindern.

Eine systematische Desensibilisierung und Gegenkonditionierung bezüglich des betreffenden Geräusches ist sehr wirksam, erfordert jedoch viel Geduld und Zeit. Denn ein Training sollte regelmäßig ein – bis zweimal täglich erfolgen bis ein Erfolg erzielt wird. Mittels einer Geräusch-CD können die angstauslösenden Geräusche in sich steigender Lautstärke abgespielt werden, während sich der Besitzer mit dem Hund beschäftigt und Kommandos übt. Ruhiges Verhalten soll belohnt werden. Berücksichtigen Sie bitte, dass Hunde auch ortsbezogen lernen und dort geübt werden muss, wo die Angst am größten ist. Das kann bei Schussangst auch im Wald sein.

Je früher Sie mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen beginnen, desto größer ist die Chance, dass keine Generalisierung auf laute Geräusche stattfindet. Wir beraten Sie gerne.

Medikamentöse Behandlung

Bei Präparaten, die den Serotonin-Spiegel erhöhen, wie z.B. dem Clomipramin, ist eine kurze Behandlungsdauer nicht möglich. Sie eignen sich daher nur für Patienten, die das ganze Jahr über unter Geräuschangst leiden. Die Silvester-Angst behandeln wir Tierärzte mit anderen Medikamenten. So können Benzodiazepine je nach Präparat entweder einige Tage bzw. einige Stunden vor dem Jahreswechsel eingesetzt werden. Sie haben eine meist beruhigende Wirkung.

Seit einigen Jahren ist ein neu entwickeltes Medikament auf dem Markt, das extra für den Zweck der Angstlinderung zugelassen wurde. Es handelt sich um ein Gel namens Sileo, das zur oromukosalen Anwendung in der Maulhöhle gedacht ist und daher nicht verschluckt werden darf.  Bei richtiger Anwendung kann es die akute Geräuschangst lindern und dabei helfen, akute Stresssituationen in Verbindung mit Geräuschen zu bewältigen. Auch ohne Verhaltenstraining oder andere zusätzliche Maßnahmen kann es nicht nur zu Silvester, sondern auch bei Reisen im Flugzeug oder beim Autofahren zum Einsatz kommen.

Der Wirkstoff Acepromazin, auch als Vetranquil bekannt, wurde früher regelmäßig zu Silvester eingesetzt. Er ist völlig kontraindiziert, da es die Geräuschempfindlichkeit erhöht, wie man mittlerweile weiß.

Unterstützendes Management

Ignorieren Sie als Besitzer die Angst Ihres Hundes und bleiben Sie entspannt, wenn Ihr Hund panisch reagiert. Lenken Sie ihn, wenn möglich, von den lauten Geräuschen ab. Sorgen Sie zu Silvester für einen ruhigen, schallgedämpften Ort mit gemütlichem Liegeplatz, wo sich ihr Hund wohlfühlt. Lassen Sie im Hintergrund Musik laufen oder stellen das gewohnte Fernsehprogramm an.