Tierpunkt November 2015

Seltsames Verhalten des Kaninchens

Micki zeigt ein ungewöhnliches Verhalten: Er dreht sich um seine Längsachse. Da Erkrankungen, die solche Symptome auslösen können, wie zum Beispiel Entzündungen des Innen- oder Mittelohrs, Ohrräude oder Hirnhautentzündung, ausgeschlossen werden können, wird bei Micki die Infektion des Erregers Encephalitozoon cuniculi diagnostiziert. Er löst bei Kaninchen neurologische Störungen aus. Kaninchen infi zieren sich über verunreinigtes Futter oder Einstreu, da der Erreger über Urin ausgeschieden wird. Aber auch durch das Muttertier kann schon die Infektion erfolgen. Kaninchen können den Erreger latent stets in sich tragen, ohne dass es zu einem Ausbruch kommt. Nicht zuletzt ist es deshalb wichtig, bei den Tieren für ein gutes Immunsystem zu sorgen: artgerechte Haltung, vielseitige Frischfütterung, möglichst wenige Stressfaktoren. Kippt das Immunsystem, hat u.a. dieser Erreger „freie Fahrt“. Wichtig ist, dass diese Infektionskrankheit als Zoonose eingestuft wird, das bedeutet der Mensch kann sich infi zieren. Aber: Menschen mit einem normal funktionierenden Immunsystem sind nicht gefährdet. Tierfreunde mit einem ausgeprägten zellulären Immundefekt sowie Kleinkinder, die noch kein vollständig ausgebildetes Abwehrsystem haben, sollten den Kontakt meiden oder Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Die Symptome beim erkrankten Kaninchen sind verschieden. Oft zu beobachten sind Kopfschiefhaltungen, Bewegungsstörungen. Möglich ist, dass das Tier auf Ansprache nicht zeitig reagiert, Bewusstseinsstörungen zeigt oder sich eine Blind- oder Taubheit einstellt. Bei schweren Erkrankungen zeigen sich Störungen der Nierenfunktionen und Lähmungen. Früh entdeckt, ist die Erkrankung therapierbar. Die Prognose ist abhängig vom Ausmaß der Symptome und wie schnell therapeutisch eingegriffen wird. Kopfschiefhaltungen können bestehen bleiben und es kann auch immer wieder zu Rückfällen kommen.

Wenn das Auge tränt …

Wenn einmal das Auge des Tieres tränt, muss dies wie bei uns Menschen nicht unbedingt schlimm sein. Es kann beispielsweise durch einen Luftzug verursacht werden oder durch ein Insekt, das ins Auge gekommen ist. Doch Vorsicht: Tränenfl uss beim Tier sollte gut beobachtet werden. Scheuen Sie sich nicht, frühzeitig einen Tränenfl uss beim Tierarzt checken zu lassen, denn es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die nicht harmlos sind. Bei Samtpfoten kann es sich um einen Katzenschnupfen handeln oder es können schlimmere Verletzungen am Auge vorliegen, verursacht durch Fremdkörper. Auch eine Bindehautentzündung ist möglich. Bei Hunden sind teilweise eine nässende Hautentzündung und eine bräunliche Verfärbung von Fell und Haut zu beobachten. Insbesondere Hunderassen wie amerikanischer Cocker Spaniel, Bedlington Terrier oder Golden Retriever können genetisch vorbelastet sein. Tränen können über den Tränennasenkanal nicht richtig abfl ießen oder die Produktion der Tränenfl üssigkeit ist erhöht. Eine mögliche Ursache für die erhöhte Tränen-Produktion sind z.B. falsche Wimpern (Distichien und deren Variationen): zusätzliche wimpernartige Haare, die aus den Talgdrüsen des Lidrandes heraus in Richtung des Auges wachsen. Das Tier könnte auch ein „Roll-Lid“ (Entropium) haben: Es handelt sich um eine Augenlid-Fehlstellung beim Hund, bei der sich das Augenlid nach innen einrollt. Gründe für Tränenfl uss können z.B. aber auch allgemein entzündliche Prozesse sein – bedingt durch Viren, Bakterien oder eine Allergie. Es kann auch durch Entzündungen zu Verklebungen der Bindehaut im Bereich des Tränenpunktes kommen.

Gefährlich: Halbwissen aus dem Internet

Im Internet und anderen Portalen werben Tierheilpraktiker, Tierpsychologen oder Tierphysiotherapeuten zunehmend mit alternativen Methoden oder geben Ratschläge zur Selbstbehandlung von Hund, Katze und Co. Doch diese sind oft nicht nur wirkungslos, sondern können im schlimmsten Falle auch fatale Folgen für das Tier haben. „Weil ‘alternative Behandlung’ sich besser anhört, oder weil man Vorbehalte gegen die sogenannte ‘Schulmedizin’ hat, suchen einige Tierbesitzer mit ihrem kranken Liebling nicht zuerst den Tierarzt auf, sondern legen die Gesundheit der Tiere in die Hände von Tierheilern. Oder sie versuchen, auf der Basis von Halbwissen aus dem Internet das kranke Tier selbst zu behandeln“, erklärt Dr. Uwe Tiedemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Tierbehandlung der Bundestierärztekammer (BTK).

„Wir können nur davor warnen, ohne Vorstellung des Tieres in einer Tierarztpraxis Diagnosen aus dem Internet zu übernehmen und auf eigene Faust herumzudoktern.“ Nicht zuletzt wegen der Gefahr der Übertragung ansteckender Krankheiten vom Tier auf den Menschen (Zoonosen) sei solides Fachwissen gefragt. Nur Tierärzte verfügen durch ihre umfassende Ausbildung und oft jahrelange Weiterbildung nach dem Studium über das Wissen, eine Diagnose zu stellen und eine geeignete Therapie einzuleiten. Und nur Tierärzte können abschätzen, ob eine schulmedizinische oder eine regulationsmedizinische Behandlung wie z.B. Homöopathie, Pfl anzenmedizin, zielgerichtete Physiotherapie, Akupunktur oder auch eine Kombination für den einzelnen Patienten sinnvoll und zielführend ist. „Es gibt mittlerweile zahlreiche Tierärzte, die ergänzend zu ihrem Studium fundierte Kenntnisse in ganzheitlichen Methoden der Tiermedizin erworben haben.“ Da lohnt eine Nachfrage in der eigenen Tierarztpraxis oder bei der zuständigen Tierärztekammer. Doch nicht nur „Heilkunde“ aus dem Internet, auch den zunehmenden Wildwuchs an nichttierärztlichen Behandlern aller Art sehen Veterinäre kritisch. Was viele Tierhalter nicht wissen: Es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung zum Tierheilpraktiker, Tierpsychologen oder Tierphysiotherapeuten. Diese Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Jeder darf sich, sogar ohne Ausbildung, so nennen.

Longieren mit dem Hund

Das Longieren mit Hund wird immer beliebter. Der Hundetrainer Sami El Ayachi hat eine eigene Methode der Kommunikation über Körpersprache mit dem Hund am Longierkreis entwickelt. Er zeigt, wie man seinen Körper bewusst bewegt und die verfeinerte Körpersprache so zur Kommunikation mit dem Hund nutzen kann. Der Hund lernt damit, seinen Menschen besser zu verstehen und auf ihn zu achten. Körpersprachliches Longieren vertieft die Beziehung zwischen Hund und Mensch und lastet den Hund wunderbar aus. Das Plus zum Buch: mehr Infos und Filme einfach und schnell über QR-Codes im Buch oder online abrufbar. Sami El Ayachi ist Rechtsanwalt und Hundetrainer und lebt in Köln. Als Hundecoach war er unter anderem in der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ zu sehen. Er gibt im gesamten deutschsprachigen Raum Kurse und Workshops zum Thema.

Jagdinstinkt in der Nacht

Es dämmert. Die Nacht kündigt sich an. Noch etwas schlaftrunken springe ich vom Regal. Die Jagdsaison ist eröffnet. Phase 1: Der Appetit steigert sich bereits im Treppenhaus. Es riecht verdächtig nach Hähnchen. Phase 2: Frauchen kurz begrüßen und einen „Ich-hätte-da- Appetit“-Blick aufgelegt. Das Buch von Frauchen scheint spannend zu sein. Sie bewegt sich keinen Milimeter. Phase 3: Im Garten. Mäuse-Duft drängt sich mir auf, doch das hilft meinem Magen auch nicht weiter. Die kleine Beute fange ich zwar, aber esse sie nicht – nicht meine Geschmacksrichtung. Phase 4: In der Küche. Sie ist verlassen. Ich schnuppere feinste Düfte: ein Mix aus Hähnchen, Karotten und Reis. Mein Jagdinstinkt ist geweckt, die Nase arbeitet auf Hochtouren, um die Quelle zu lokalisieren. Ich bewege mich lautlos. Da ist die Beute: ein fein säuberlich mit Folie eingepackter Teller Hähnchen- Geschnetzeltes. Meine Augen blitzen kurz auf. Angriff. Die Folie ist kein Problem. Scharfe Krallen erledigen den Rest. Phase 5 (fi nale Phase): Ahnungslos kommt Frauchen in die Küche. Doch zu spät. Höchst zufrieden und gesättigt liege ich auf der Couch. So liebe ich die Jagd!

… Euer Elvis

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