Warum impfen wir unsere Haustiere?

Warum impfen wir unsere Haustiere?

Warum sollen wir unseren Hund oder Katze bzw. Kaninchen überhaupt noch impfen lassen? Gibt es die Erkrankungen überhaupt noch, gegen die unsere Tiere regelmäßig geimpft werden? Und wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? Schaden Impfungen nicht sogar mehr, als dass sie nützen? Und muss wirklich jedes Jahr geimpft werden? Können nicht auch Titer-Untersuchungen durchgeführt werden, um festzustellen, ob der Impfschutz noch ausreicht? Fragen über Fragen …

Die Diskussion der Tierhalter über die Notwendigkeit von Impfungen bei Hund und Katze nehmen wir Tierärzte sehr ernst. Denn entgegen allen Vorwürfen, dass wir mit Impfungen nur Geld verdienen möchten, sehen wir uns als berufene Schützer der Tiere und möchten verhindern, dass unsere Haustiere an Infektionen erkranken, gegen die ein wirksamer Schutz durch Impfung zu erreichen ist.
Von der Gesamtheit einer Tierart, der sog. Population, müssen ca. 70 bis 80 Prozent geimpft sein, damit sich Infektionskrankheiten nicht zu einer Epidemie ausweiten können. Daher leben ungeimpfte Tiere praktisch auf Kosten der geimpften Tiere, die verhindern, dass die seltenen Krankheiten wieder häufiger vorkommen. Die Immunität der Mehrheit schützt die Minderheit.
Immer wieder kursieren im Internet sog. Erfahrungsberichte über Todesfälle nach Impfungen. Diese Einzelschilderungen entbehren meist jeder wissenschaftlichen Faktenbasis. Bitte seien Sie kritisch und glauben Sie nicht alles, was Sie hören oder lesen. In meiner über 25 Jahre langen Laufbahn als Tierärztin habe ich nicht ein einziges Mal erlebt, dass ein von mir geimpftes Tier nach der Impfung verstorben wäre. Allerdings habe ich aber mehrfach miterleben müssen, dass unzureichend geimpfte Tiere den Folgen ihrer Infektionskrankheit erlegen sind. Und das weiß ich im Übrigen so genau, weil diese Tiere pathologisch untersucht worden sind, um die Todesursache eindeutig zu bestimmen.

Ein weiterer Anlass zur Diskussion bietet die Frage, in welchen Abständen geimpft werden soll. Wir Tierärzte impfen schon lange nicht mehr 1x jährlich pauschal gegen alles. Je nach Krankheit und Tierart werden völlig unterschiedliche Impfintervalle gewählt.

Übrigens gibt es eine weitere Möglichkeit, manche Impfungen auszulassen. Lassen Sie im Blut Ihres Hundes den Antikörper-Titer gegen manche Infektionskrankheiten bestimmen. Danach können Sie gezielt über eine Auffrischung entscheiden.

Allgemein lässt sich festhalten, dass die voraussichtliche Schutzdauer einer Impfung von vielen Faktoren abhängt. Zu nennen sind beispielsweise die regionale Ausbreitung der Krankheit, die Einschleppung durch Fernreisen in südliche Länder, die Nachbarschaft zu Ländern mit wenig geschützten Tierbeständen (Polen und Osteuropa) und die individuelle Immunitätsbildung.

Fazit

Allen Fehlmeldungen und Ängsten zum Trotz möchte ich Sie ermutigen, Ihre Haustiere zu schützen. Es gibt kaum etwas, dass so massiv positive Effekte für die Gesundheit unserer Tiere gebracht hat, wie Impfungen. Nicht zuletzt deshalb ist die Lebenserwartung unserer Haustiere stetig angestiegen.